Ostern ohne Farbe? Das geht gar nicht!

Der Osterhase hat uns gestern mit schönstem Sonnenwetter verwöhnt. Hoffentlich hattest auch Du dieses Glück.

Wir haben den Ostersonntag mit meinem Schwiegervater verbracht, für den es seit dem Tod meiner Schwiegermutter im Januar das erste Osterfest seit Jahrzehnten ohne seine Liebe gewesen ist. Das war erst ein bisschen traurig, wie er so allein in unserer Mitte saß, aber mit dem Essen verflog die Traurigkeit. Spätestens, als die Teenager auf Eiersuche in den Garten gingen, überwog das Schmunzeln.

Zum Glück ist mein Schwiegervater fit wie ein Turnschuh und konnte an diesem Spaß teilhaben, während ich mich um den Abwasch kümmerte. Aber keine Bange, zwischen Klößen, selbst gemachten Windbeutel-Schwänen, Tisch ein- und abdecken, habe auch ich in den vergangenen Tagen einfach die Seele baumeln lassen.

Erstens koche ich leidenschaftlich gern, Kochen ist also Vergnügen und keine Arbeit, zweitens konnte ich mich meiner anderen großen Leidenschaft auch ausreichend widmen: Papier und Farben.

Bei Sandy Allnock habe ich mehrere großartige Kunst-Kurse rund um Copics gebucht, die ihr Geld mehr als wert waren. Bevor Du wunderst, nein ich bin umgestiegen.

Ich wollte wissen, wie weit ich mit unseren Stampin‘ Blends kommen würde. Mein Fazit: Ziemlich weit, mit gewissen Einschränkungen.

Du siehst, Himmel, Fenster mit Lichtspiel, Sand und Steine – all das lässt sich problemlos mit unserem Blends gestalten, wenn man weiß, wie es geht. Hier schaust Du auf Details meiner Übungsblätter und beim Stein habe ich einen Copic 100 verwendet. Schließlich teste ich gerade ausgiebig, wie sich die Stifte in der Handhabung unterscheiden.

Sandys Kursmaterial ist großartig, so viel steht für mich fest. Allein die Copic Glazing Charts (Wabengitter rechts im Bild) sind sowas von nützlich. Du siehst einen Ausschnitt aus meinen Grün/Blau Sketches. Solche Blätter habe ich mir für alle unsere Farben angefertigt.

Was haben die teuren Marktführer Copics gemeinsam mit unseren Stampin‘ Blends und wie unterscheiden sie sich?

  1. Unsere Stampin‘ Blends Farbauswahl ist deutlich eingeschränkt (ca. 35 vs. 358 Farben). Was sich auf den ersten Blick nach einem Nachteil anhört, ist für viele Kreative, die ihre Stempelmotive colorieren möchten, der Vorteil schlechthin. Man muss sich weit weniger Gedanken machen, welche Farben zusammen sanfte Farbübergänge erzielen. Man kombiniert einfach hell und dunkel.
  2. Zu den Stampin‘ Blends gibt es die passenden Farbkartons, Bänder und oft auch Accessiores. Für Fans von Stampin‘ Up! oft das Kauf-Argument schlechthin.
  3. Für Stifte auf Alkoholbasis reicht eine wasserbasierte Tinte fürs Stempelmotiv. Du kannst alle Deine Stampin‘ Up! Stempelkissen mit den Blends kombinieren. Es ist keine Spezialtinte notwendig. Obwohl Stifte auf Alkoholbasis sich nicht wesentlich im Geruch unterscheiden sollten, unsere Blends scheinen mehr Promille zu haben. 🙂 Sie riechen deutlich und sind nix für einen Haushalt mit trockenen Alkoholikern. (Dieser Hinweis klingt putzig, ist aber ernst gemeint. Finger weg von den Stiften, wenn Du oder Deine Lieben ein Problem mit Alkohol habt!)
  4. Stampin‘ Blends machen das, wofür sie gedacht sind, sie lassen sich mischen. Allerdings fehlt manchmal ein Farbton, um anspruchsvolle Effekte zu erzielen. Du musst dann kreativ werden und diesen Ton ersetzen. Schau z.B. mal in meinem Bild auf das Fenster. Dafür habe ich z.B. Minzmakrone in Hell und dunkel mit einem hellen Blend in Pfauengrün gemischt. Für Mangas, Architekturskizzen, naturgetreue Zeichnungen und ambitionierte Kunstwerke sind Stampin‘ Blends nicht ausreichend.
  5. Damit wären wir schon bei einer Sache, die mich an unseren Stiften nervt. Hat man eine geniale Farbkombi gefunden, kann es sein, dass die Blends mehr oder weniger plötzlich aus dem Sortiment verschwinden. Die InColor Farben wechseln alle zwei Jahre und Mango haben wir – für mich sehr überraschend – zwischendurch verloren. Dabei nutze ich die Mango-Stifte sehr viel fürs Verblenden von Gelb- mit Rot-Tönen. Mist!
  6. Was mich noch nervt ist der Gedanke daran, das unsere Blends nicht nachgefüllt werden können (wie viele andere alkoholbasierte Stifte auch) und das sie nur noch im Kombipack erhältlich sind (andere Marken sogar nur in ganzen Sets, was noch viel schlechter ist).
  7. Die Pinselstifte der Stampin‘ Blends lässt hauchdünne Linien zu, was bei Copics z.B. ebenso geht, aber mehr Übung braucht.
  8. Wie so oft, sollte man wissen, was man mit seinem „Werkzeug“ tut, um den Effekt erzielen zu können, den man sich vorstellt.

Fazit:

Wenn Du vorwiegend Stempelmotive ausmalen möchtest und dabei nicht an Deine Kindertage mit Bunt- und Filzstift erinnert werden möchtest, dann sind unsere Blends eine prima Investition für einen überschaubaren (wenn auch nicht günstigen) Preis.

Du kannst bei Deinen Papierkreationen Tinte, Marker, Papier, Bänder und Accessoires mit Leichtigkeit aufeinander abstimmen, was immer hochwertig aussieht.

Mit etwas Übung lässt sich die Palette unserer Farben deutlich erweitern, Granit ist z.B. hervorragend geeignet, um Schattierungen zu machen. Nur kann es sein, dass Farben aus dem Sortiment gehen, und Essig ist es mit Deiner Traum-Farbkombi.

Es gibt einige Farbtöne, da sind unsere Blends ein wenig – sagen wir mal – ausgedünnt. Hauttöne sind zum Beispiel nicht ganz so einfach (wenn nicht, fast gar nicht) zu mischen und Grüntöne sind auch etwas dünn auf der Brust. Was dagegen hilft sind Schattier-Übungen und sofern Du damit an Deine Grenzen stößt, der Kauf einzelner zusätzliche alkoholbasierter Marker anderer Anbieter.

Meine Erfahrungen aus mehreren Kursen gezeigt, dass auch teure Copics manchmal schwierig miteinander zu verblenden sind und die Kappe nicht immer einen Hinweis darauf gibt, wie die Farbe auf Papier später aussehen wird.

Damit scheinen alle Marker Firmen ein wenig zu kämpfen. Hier noch einmal eins meiner Chart für die Blau/Grüntöne. Kaum zu glauben, dass dunkles Abendblau so anders aussieht als das helle.

An der Kappe würde man das nie und nimmer erkennen. Deshalb markiere ich mir meine Blends. Dafür einfach etwas von unseren Klebeblättern auf ein Stück weißen Farbkarton kleben, einen kleinen Kreis ausstanzen, aufkleben und mit dem entsprechenden Stift kennzeichnen.

So kann ich auf den ersten Blick erkennen, wie meine Stampin‘ Blends in Himbeer dunkel bzw. hell oder eben die besagten Blends in Abendblau dunkel bzw. hell aussehen.

Wie gesagt, auch bei den Stiften anderer Anbieter kommen solche Abweichungen vor und ehrlich gesagt finde ich, dass die Farbe der Copics Kappen nur mit viel Erfahrung zu „lesen“ ist. Besser, man orientiert sich dort nur an der Codierung. Wer entspannter basteln möchte, ist mit den Blends deutlich besser dran.

Ein großer Vorteil aller alkoholbasierten Stifte ist noch gar nicht zur Sprache gekommen. Ihre Farbe ist permanent, eignet sich also bestens, wenn Du z.B. Strasssteine passend zu Deinem Farbkarton einfärben oder andere Materialien als Papier verzieren möchtest.

Du siehst, ich war mit vielen bunten Farben beschäftigt und wenn der Hase zukünftig Unterstützung in der Osterwerkstatt braucht, dann kann ich jetzt Wolkenlandschaften auf Eier zaubern, Abendhimmel, Regen, Gras, Steine, Leder, Jeansstoff und viele andere Texturen – manche sogar schon richtig gut. Nur zum Verspeisen sind diese Kunstwerke dann wohl nicht das Richtige.

Eine entspannte, bunte und fröhliche Woche wünscht Dir

Deine

Dörthe

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Sylke
Sylke
4 Tage zuvor

Das war aber mal eine ausführliche Beschreibung und was für eine Arbeit.
Danke für die vielen Infos.
Jetzt werd ich auch mal etwas Ordnung in meine Blende bekommen.
Liebe Grüße Sylke

Dörthe
Antwort an  Sylke
4 Tage zuvor

Gern, liebe Sylke. Vielleicht mache ich dazu mal einen Kurs, aber bevor ich Dinge anbiete, möchte ich gern noch ein wenig üben. Das haben meine Kursgäste so verdient. VLG Dörthe

Renate Grünert
Renate Grünert
1 Tag zuvor

Hallo Dörthe, vielen Dank für die vielen guten Tips. Ich habe auch mit Copics angefangen, bin aber mit der Vielzahl der Farben nicht richtig glücklich geworden. Mit den Blends komme ich weitaus besser zurecht. Ein Workshop über das Colorieren wäre sehr schön.
Liebe Grüße
Renate

Dörthe
Antwort an  Renate Grünert
1 Tag zuvor

Liebe Renate,
ja, das habe ich schon häufiger gehört. Alles hat eben seine Vor- und Nacheile. Na dann, dann werde ich mal ans Planen machen.
VLG Dörthe